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Der Zusammenbruch des Internets

22.02.2006 in der Stadtbild-Galerie – Professor Hermann Maurer, Dekan der Fakultät für Informatik, Vorstand des Instituts für Informationssysteme and Computer Medien (IICM) an der Technischen Universität Graz, bezeichnet sich selbst als Informatik-Dinosaurier. Nicht zu Unrecht, denn er hat als BTX-Pionier und Mupid-Erfinder Geschichte in der österreichischen Telekommunikations-Branche geschrieben. Außerdem schreibt Maurer, Weltenbummler und Club of Rome-Mitglied, Science Fiction – Romane, ausdrücklich keine literarischen Werke, sondern Zukunftsszenarien, die er aus seiner wissenschaftlichen Tätigkeit in eine visionäre Abenteuerwelt transferiert. 

Ein mögliches Schreckensgespenst im Zeitalter der Arbeitsteilung und Globalisierung ist der gleichzeitige Zusammenbruch der Strom- und Computer-Netze. Während in der weltweiten Zusammenarbeit “das Lebewesen Menschheit mehr schafft, als ein Individuum” – durch den Zugriff auf unzählige materielle und nicht-materielle Produkte und durch billigere und effizientere Produktivität – wird das gesamte System gleichzeitig auch verletzlicher. Nachteile der Globalisierung wurden und werden viel diskutiert: Die potentielle Ausbeutung von Mensch und Umwelt, die willkürliche Verlagerung von Produktionsstätten, vermehrte Umweltbelastung durch steigenden Güterverkehr und vieles mehr, erhöhen die Abhängigkeiten der Weltbevölkerung voneinander.

Der Zusammenbruch des Internets würde direkt in die Steinzeit zurückführen. Die Frage ist, ob Computer (-Netze) tatsächlich ernsthaft großräumig längere Zeit ausfallen können. Die Antwort lautet: Ja. 2002 hat Maurer in Auckland (Neuseeland) selbst einen “kleinen” Vorgeschmack erhalten, welche Auswirkungen ein 6-wöchiger Stromausfall nach sich zieht: innerhalb von 10 Tagen herrschten Bürgerkriegs-ähnliche Zustände. Glück im Unglück war, dass 60 km weiter die Stromversorgung gesichert war, dass Sommer herrschte und Kochmöglichkeiten im Freien errichtet werden konnten und die Kriegsmarine die Notversorgung für Spitäler vom Meer aus aufrecht erhalten konnte.

Es sind weniger Viren, die das Computer-Netz in Gefahr bringen, auch wenn die Zahl der Angriffe seit 1995 Dimensionen erreicht habt, dass man zwischenzeitlich auf Aufzeichnungen verzichtet. Sondern der gleichzeitige Angriff auf Strom- und Computernetze läßt laut PEW Report (january, 9. 2005) 66% von hochrangigen Managern und Wissenschaftern glauben, dass in 10 Jahren das Netz zusammenbricht.

Doch Prof. Maurer hat Gegenmaßnahmen parat: 1) durch eine gerechtere globale Vermögens- Verteilung kann die Wahrscheinlichkeit von terroristischen Anschlägen verringert werden. 2) Globalisierung soll dort eingesetzt werden, wo es sinnvoll ist, Regionalisierung da, wo es möglich ist. 3) Computer und Computer-Netzwerke müssen sicherer gemacht werden – sowohl im Hardware als auch im Software-Bereich.

Maurers Vortrag endete mit einem Ausschnitt aus F.J. Rademachers schwungvoller Music – Clip – Botschaft, die dieser nach seinem eigenen Buch “Balance oder Zerstörung” umgesetzt hat. Rademacher, der sich für ein Wirtschaftswachstum ohne neue Umweltbelastung einsetzt, wählte den musikalischen Weg, um statt 30.000 Gehirnen (Rademachers Buch führt die Bestsellerliste in Deutschland an) lieber 4.000 000 Herzen zu erreichen.

Die Mitglieder der ÖMG diskutierten noch bis spät in die Nacht mit dem kreativen Professor aus Graz über Chancen und Risiken der Netzwerk-Zukunft, u.a.Mario Pregesbauer (Casinos Austria), Erich Schönberg (Sportmagazin Verlag), Joachim Feher (Mediacom), Martin Drexler (Grafische), Walter Ringsmuth (KroneHit), Roland Pessenlehner (Multibus)

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